Gottesdienste in Zeiten der Pandemie2020-12-21T22:33:44+01:00

Solidarität heißt, am Heiligen Abend für die Menschen da zu sein

Florian Wilcke, Pfarrer für Gemeinschaftsaufgaben im Kirchenkreis Berlin Stadtmitte, erklärt hier, weshalb er Gottesdienste an Heilig Abend gerade in Pandemie-Zeiten für notwenig hält: 

„Gottesdienste sind keine Freizeitbeschäftigung, sondern ein Lebensmittel, das Menschen gerade in diesen Zeiten auf den Beinen hält. Wir haben als Kirche in dieser Stadt die Verantwortung, den Sorgen und Nöten, der Hoffnung und der Gottesbegegnung Räume zu bieten. Wir wollen nicht, dass Menschen durch innere Einsamkeit und Hoffnungslosigkeit Schaden nehmen. Wir wollen auch nicht, dass Menschen sich selbst organisiert drinnen oder draußen treffen, um Weihnachtslieder zu singen.

Kirche ist kein Freizeitangebot, das man wahrnehmen kann oder nicht. Das innere Verständnis der Kirche basiert auf dem christlichen Glauben. Ich halte den christlichen Glauben für eine Lebens- und Beziehungskraft, die geeignet ist, Menschen durch schwere Krisen zu tragen. Die Kirche ist der Raum, die Form und die Gemeinschaft, in der diese Lebens- und Beziehungskraft Gestalt gewinnt. Das müsste in einer offenen und toleranten Gesellschaft auch von einer außerreligiösen Perspektive tolerierbar sein.

Wenn also Weihnachten stattfindet, wenn Menschen in unserer Stadt dieses religiöse Fest nicht ignorieren können und wollen,  dann ist es die Aufgabe der Kirche, geeignete Formate bereitzustellen. Das haben die letzten Monate gezeigt. Niemand handelt dort leichtsinnig. Die Formate sind gut erprobt. Es liegen ausgearbeitete Konzepte nach staatlichen Vorgaben vor. Und in einer offenen Gesellschaft liegt es eben an den Menschen, die vielen Appelle und Hinweise vor, während und nach den Gottesdiensten auch umzusetze Meiner Meinung nach kann sich die Kirche ihrer Aufgabe, Gottesdienste anzubieten, nicht entziehen. Gleichzeitig hat sie aber keine staatlichen oder polizeilichen Funktionen, nach denen sie Menschen zur Einhaltung der Vorschriften zwingen oder jegliche gottesdienstliche Zusammenkünfte unterbinden müsste. Solidarität heißt für mich, am Heiligen Abend für die Menschen da zu sein, nicht, sie allein zu lassen, zu bevormunden oder zu überwachen.“